Kurzanleitung Triplet-Einspeichung

 

  1. Was ist Tripleteinspeichung
  2. Warum Tripleteinspeichung?
  3. Welches Material benutzt man
  4. Wie wird's gemacht

Was ist Triplet-Einspeichung?

Bei einer Triplet-Einspeichung werden auf der Antriebsseite eines Hinterrades doppelt soviele Speichen verbaut, wie auf der Nichtantriebsseite. 3 Speichen (2 auf der Antriebsseite und eine auf der Nichtantriebsseite) bilden jeweils eine Speichengruppe, daher der Name 'Triplet'. Andere gebräuchliche Namen sind 2:1 Einspeichung (oder 1:2).

Die - recht spektakulär aussehende - G3 Einspeichung von Campa ist eine Unterart der Tripleteinspeichung, wobei hier zusätzlich zur Spezialbohrung der Nabe, auch noch die Speichenlöcher versetzt gebohrt werden. Prinzipiell ist eine G3-Einspeichung mit den hier angeboten 8:16 Naben möglich. Wer eine G3-gebohrte Felge hat - oder selbst bohren kann - kann damit ein G3-Laufrad bauen.

Prinzipiell sind Triplets mit allen durch 3 teilbaren Speichenzahlen möglich, so bieten manche Hersteller bspw. auch 7:14 eingespeichte Hinterräder an, mit 7 Speichen auf der Nichtantriebsseite und 14 auf der Antriebsseite - macht zusammen 21 Speichen. Am Hinterrad.

Für die "normale" 8:16 Einspeichung (oft auch 16:8 genannt) kann man dagegen auf Standardmaterial zurückgreifen. Prinzipiell wäre es sogar möglich so etwas mit einer 32-Loch Nabe und einer 24-Loch Felge zu realisieren, indem man am linken Nabenflansch jedes zweite Speichenloch leer lässt. Aber sowas sieht natürlich nicht besonders aus und es ist auch nicht nötig, weil man ja jetzt leichte und hochwertige, für 8:16 gebohrte Naben zu günstigen Preisen kaufen kann

Warum Triplet-Einspeichung?

Die Frage ist natürlich, was das ganze, abgesehen vom schicken optischen Effekt, technisch bringt.

Nun, die im Laufe der Entwicklung immer breiter gewordenen Ritzelpakete bei Kettenschaltungen haben dazu geführt, daß die Speichen auf der rechten, also der Antriebsseite, deutlich steiler stehen als auf der linken Seite. Da die Felge über der Mitte der Nabe positioniert werden muss, führt dies dazu, daß die Speichen auf der linken Seite deutlich weniger stark gespannt werden als auf der rechten Seite.

In der Praxis sind heutzutage Spannungsverteilungen von 45:100 durchaus häufig zu finden. D.h: Die Spannung der Speichen auf der linken Seite beträgt nur 45% der Spannung auf der rechten Seite.

Eine gewisse minimale Speichenspannung ist aber notwendig um sicherzustellen, daß die Speichen sich im Betrieb nicht lösen. Üblicherweise werden Spannungen von 500 bis 600 Newton deshalb als Minimum angesehen. Andererseits vertragen die Felgen nur eine begrenzte Spannung. 1200 Newton (~120 KgF) gelten oft als Maxiumum. Es gibt aber auch etliche Felgen, denen der Hersteller deutlich weniger Spannung zutraut. Mavic bspw. erlaubt für seine Felgen lediglich 900 Newton maximale Speichenspannung (immer pro Speiche und ohne Bereifung gemessen). 45% von 900 Newton sind aber lediglich 405 Newton, die man dann auf der linken Seite erreicht. Zuwenig um auch bei extremen Belastungen - wie sie bspw. ein Schlagloch darstellt - noch sicher und dauerhaft die Spannung halten zu können.

Deutlich "entspannter" wird die Situation dadurch, daß man die Hälfte der Speichen auf der linken Seite weglässt, wie bei Tripleteinspeichungen. Denn dann benötigt jede Speiche auf der linken Seite die doppelte Spannung um die Felge über der Nabenmitte zu halten.  Bei ansonsten identischer Geometrie führt das also dazu, daß die Spannung auf de linken Seite von 45% auf 90% der Spannung auf der Antriebsseite anwächst. Oder: 900 Newton auf der Antriebsseite entsprechen jetzt  810 Newton auf der linken Seite. 

Mit einer gleichmäßigen Spannung von 1000-1100 Newton auf der Antriebsseite ist man mit Tripleteinspeichung also sehr gut bedient. Man hat auf beiden Seiten eine ordentliche, sichere Spannung ohne die Vorgaben der meisten Felgenhersteller ignorieren zu müssen.

Nachteile: Der einzige relevante Nachteil ist, daß bei einem Speichenbruch auf der linken Seite, das Rad häufig nicht mehr weitergefahren werden kann, weil der resultierende Seitenschlag zu heftig wird. Wenn es dann nicht ausreicht die Bremse weit zu öffnen, muss man den entstehenden Schlag unterwegs rauszentrieren um den Heimweg schleiffrei antreten zu können. (Wir Laufradbauer haben aber doch sowieso immer einen Speichenschlüssel dabei. Oder?)

Die Gefahr von Speichenbrüchen wird aber durch die Tripleteinspeichung gerade reduziert. Wenn man das Rad sauber aufgebaut hat, sollte dieses Risiko also geringer sein, als bei einem konventionell eingespeichten Rad.

Welches Material benutzt man?

Nicht jede Felge ist geeignet für 8:16-Einspeichung. Eine Voraussetzung ist, daß die Speichenlöcher nicht (allzuweit) seitlich versetzt oder gar richtungsweisend gebohrt sind. Ausserdem sollte eine gewisse Seitensteifigkeit vorhanden sein. Flache, superleichte Felgen sind daher ebenfalls nicht empfehlenswert.

Die modernen, etwas breiteren Felgen sind generell etwas seitensteifer, als die herkömmlichen mit Maulweiten von 15mm oder noch weniger.

Vorsicht mit Carbonfelgen: bei diesen Felgen sind manchmal - um Gewicht zu sparen - die beiden Seiten für unterschiedliche Zugspannungen ausgelegt. Erkennbar ist das bspw. an Stickern, die darauf hinweisen welche Seite als Antriebsseite vorgesehen ist. Man sollte sich also vorher vergewissern, ob diese Felgen die nun deutlich höheren Speichenspannungen auf der linken Seite verkraften.

Wie wird's gemacht ?

Eine gewisse Erfahrung im Laufradbau kann nicht schaden, wenn man so ein Projekt angeht. Der Aufbauprozess ist durch die asymetrische Einspeichung etwas aufwändiger, die Felge wehrt sich etwas mehr, als bei symetrischer Einspeichung. Es ist also empfehlenswert schon über ein wenig Sicherheit im Aufbau von Laufrädern mit weniger als 32 Speichen zu verfügen, bevor man sich an 8:16 herantraut. Ich erläutere hier auch nicht den gesamten Prozess der Einspeichung und des Aufbaus, sondern beschränke mich auf die wesentlichen Unterschiede zu einer normalen Einspeichung. Wer Lücken in den Grundlagen hat, dem empfehle dieses Online-pdf von Roger Musson.

Zunächst muss man sich entscheiden, wie man die Nichtantriebsseite einspeichen will. Gängig und naheliegend ist radial, man kann aber auch 1-fach kreuzen. Radial sieht am fertigen Rad aufgeräumter aus. Bei 1-facher Kreuzung arbeiten zusätzlich 4 Speichen auf der Nichtantriebsseite am Vortrieb mit. Sprinter und besonders kräftige Fahrer entscheiden sich vlt. für die 1-fache Kreuzung, während Tourenfahrer und Rouleure darauf verzichten können.

Die Speichenlängen sind auf der Nichtantreibsseite identisch mit denen eines symetrischen Aufbaus mit 16-Speichen pro Rad.

Auf der Antriebsseite haben wir 16 Speichen zu verbauen, wir kreuzen also 3-fach - wie bei einem normalen 32-Speichenrad.

Auf der Antriebsseite sind die Wege für die Speichen etwas weiter als beim normalen Einspeichmuster und die Speichenlängen müssen anders berechnet werden, da man ja einen 16-Loch Flansch mit einer 24-Loch Felge verheiraten will. Wer es nicht selber ausknobeln will, kann die benötigten Speichenlängen mit meinem Speichenrechner ermitteln.

Einspeichung

Das Einspeichen selber ist eigentl. recht einfach. Man muss nur etwas umdenken, gegenüber den normalen Einspeichungen mit 4er Bündeln.

Ich fange mit der Nichtantriebsseite an: Im Bild ist das die beige markierte Speiche: An der Felge startet man am zweiten Speichenloch vom Ventil aus gesehen. Danach wandert man einmal rund um die Felge, wobei jedes dritte Speichenloch in der Felge für die Nichtantriebsseite vogesehen ist.  Wenn man links vom Ventil beginnt und sich gegen den Uhrzeigersinn vorarbeitet, landet man beim zweiten Speichenloch rechts vom Ventil. Es ist also egal, auf welche Seite des Ventils man beginnt und in welche Richtung man weiterarbeitet. Am Ende hat man sowohl links, als auch rechts ein freies Speichenloch zw. dem Ventil und den Speichen für die Nichtantriebsseite.

Triplet Lacing Anleitung

Jetzt die Antriebsseite: Zunächst die Führenden Speichen, auf dem Bild ist das die Speiche mit der roten Markierung. Man nutzt am Flansch das vierte Speichenloch links von der Ventillotrechten (die grüne Markierung im Bild, das ist üblicherweise auch die Stelle, hinter der sich das Label der Nabe befindet). An der Felge nimmt man das erste Loch ebenfalls links vom Ventil. Alles weitere ist dann wie immer. Nur nicht vergessen, daß an der Felge jetzt jedes dritte Loch relevant ist.

Die Druckspeiche (im Bild ohne Markierung) werden dann analog eingespeicht.

Aufbau

Der Aufbau selber unterscheidet sich wenig von einer Standardeinspeichung. Man braucht aber, wie schon erläutert, die rechten Speichen nicht so "anzuknallen", da die Spannungsdifferenzwen zw. linker und rechter Seite fast aufgehoben sind. Die Asymetrie der Konstruktion sorgt dafür, daß auch erfahrene Laufradbauer zunächst eine gewisse Herausforderung beim zentrieren verspüren. Aber wenn man langsam und systematisch vorgeht, sollte man fast so schnell zu einem guten Ergebnis kommen, wie bei normaler Einspeichung.

Und wenn man das Rad nicht nur schlagfrei sondern auch mit homogener Speichenspannung aufbaut, kann man sicher sein, ein sehr dauerhaftes und stabiles Laufrad zu haben.


Viel Erfolg

wünscht Racotec.de